Kategorie-Archiv: Sachbücher

An dieser Stelle veröffentlichen wir in unregelmäßiger Folge Empfehlungen anregender Sachbücher aus verschiedenen Wissensbereichen. Dies können neue, aktuelle Bücher sein, aber durchaus auch Werke, die schon vor längerer Zeit erschienen sind. Entscheidend ist ihre Verständlichkeit für Laien - und dass wir sie guten Gewissens weiterempfehlen können. Wir freuen uns über Rückmeldungen und Kommentare unserer Leserinnen und Leser!  
 

Sonja Bill: Tadschikistan

Instruktiver Leitfaden in eine abgelegene Welt

Trescher Verlag, 1. Auflage, Berlin 2010 – www.trescher-verlag.de

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In der tadschikischen Pamir-Region. Foto: textbaustelle Berlin

Normalerweise ist ein fünf Jahre alter Reiseführer nichts, was noch der Beachtung, geschweige denn einer Rezension wert wäre. In diesem Fall verhält es sich mit der Frage der Aktualität jedoch ein wenig anders. Denn die ehemalige Sowjetrepublik Tadschikistan im Herzen Asiens gehört – um es einmal vorsichtig auszudrücken – in der Regel nicht gerade zu den ersten Reisezielen, die sich Fernwehgeplagte aus der westlichen Welt zur Stillung ihrer Sehnsucht auswählen. Dabei hat das kleine Land, das seit dem Ende eines verheerenden Bürgerkriegs in den 90er-Jahren politisch halbwegs stabil ist (und das trotz seiner Nachbarschaft zum Dauerkrisenherd Afghanistan), Reisenden üppigen Reichtum zu bieten: ebenso herbe wie faszinierende Hochgebirgslandschaften, eine von persischen, mongolischen, türkischen, russischen und fernöstlichen Einflüssen geprägte Kultur, eine propere Hauptstadt sowie eine geradezu frappierende Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Menschen. Weiterlesen

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Stephan Bierling: Vormacht wider Willen

Deutsche Außenpolitik zwischen Zaghaftigkeit und globaler Verantwortung

C.H.Beck, München 2014 – www.chbeck.de

Cover Bierling

Foto: Verlag C.H.Beck, München

Wann wird die Politik von heute eigentlich zu dem, was wir als „Geschichte“ bezeichnen? Kann erst die nächste Generation die Geschichte der augenblicklichen Gegenwart schreiben, weil erst sie die vergangene Epoche als Ganze überblicken kann? Oder kann der heutige Tag bereits morgen Gegenstand der Geschichtsschreibung sein? Das ist eine spannende und sicher auch diskutierbare Frage, die sich dem Leser von Stephan Bierlings Buch „Vormacht wider Willen. Deutsche Außenpolitik von der Wiedervereinigung bis zur Gegenwart“ gelegentlich stellen mag. Denn der Regensburger Politologe unternimmt hier einen ausgesprochen anregenden Versuch, auf einem sehr heiklen Gebiet deutscher Politik die Grenzen von Geschichtsschreibung, Gegenwartsanalyse und Journalismus zu überschreiten.

Bierling holt den Leser an einem Punkt ab, den man mittlerweile zweifelsfrei als „Geschichte“ wird bezeichnen können, Mauerfall und Wiedervereinigung, und entfaltet von da aus die außenpolitischen Problemlagen, Entwicklungen und Entscheidungen samt den charakteristischen Schwerpunkten der deutschen Regierungen seither. Er gliedert seine Darstellung nach den Kanzlerschaften von Helmut Kohl, Gerhard Schröder und Angela Merkel in drei Hauptkapitel plus Einleitung und Schluss und gestaltet innerhalb der großen Abschnitte einzelne Themenblöcke. Weiterlesen

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John Bossy: Agent der Königin

Der Philosoph als Spion? Giordano Bruno und der englische Geheimdienst

Klett-Cotta, Stuttgart 1995 – www.klett-cotta.de

Originalausgabe: Giordano Bruno and the Embassy Affair, Yale University Press, New Haven/London 1991

Cover Bossy

Repro: Klett-Cotta Verlag, Stuttgart

Das Schicksal Giordano Brunos bewegt bis heute. Der Dominikanermönch aus Nola bei Neapel entfloh seinerzeit seinem Orden, weil ihm wegen kritischer Haltungen in Fragen der kirchlichen Lehre ein Prozess bevorstand, und begab sich auf eine Irrfahrt durch halb Europa, die erst mit seiner Gefangennahme in Venedig 1592 enden sollte. In diesen sechzehn Jahren des unsteten Lebens verfasste Giordano Bruno eine Reihe von Schriften, die ihn als einen der außergewöhnlichsten Denker in der europäischen Geistesgeschichte zeigen, aber auch in einen unversöhnlichen Gegensatz zur römischen Kirche brachten. Denn Bruno verteidigte nicht nur das damals revolutionäre Weltbild des Nikolaus Kopernikus, wonach sich die Erde um die Sonne dreht und nicht umgekehrt, sondern ging sogar noch deutlich darüber hinaus: Das Weltall galt ihm als unendlicher Raum, in dem eine unendliche Zahl an Welten wie die unsere mit unendlichen Möglichkeiten an Lebensformen in einem ständigen Prozess der Veränderung begriffen ist. Aus diesem Denkmodell folgten etliche Lehrsätze, die sich kaum noch mit einem christlichen Weltbild vereinbaren ließen; insbesondere für einen universalen Erlöser, der am Kreuz stirbt, war darin kein Raum. Nach einem Inquisitionsverfahren, das sich über zermürbende acht Jahre hingezogen hatte, verbrannte die Kirche den Unbequemen im Februar 1600 in Rom wegen Ketzerei.

Angesichts dieser durchaus bekannten Geschichte war das 1991 erschienene Buch „Giordano Bruno and the Embassy Affair“ des englischen Historikers John Bossy eine gewaltige Überraschung und erregte im angelsächsischen Raum einiges Aufsehen.  Weiterlesen

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