Sabine Henze-Döhring/Sieghart Döhring: Giacomo Meyerbeer: Der Meister der Grand Opéra

Giacomo Meyerbeer – Hommage an ein fast vergessenes Genie

C.H.Beck, München 2014 – www.chbeck.de

Meyerbeer_Cover

Foto: Verlag C.H.Beck, München

Giacomo Meyerbeer ist bezogen auf die Aufführungszahlen, aber auch seiner kompositionsgeschichtlichen Wirkung nach der wichtigste Opernkomponist des 19. Jahrhunderts. Sein künstlerischer Weg begann in Berlin, wo er zur Schule ging und studierte, und führte über Italien und Frankreich nach Berlin zurück. 1842 stieg er zum Hohenzollernʼschen Hofkomponisten und Generalmusikdirektor der königlichen Hofoper in Berlin auf; dass er im 19. Jahrhundert als Jude auf diese Position berufen wurde, ist nur durch sein herausragendes Renommee erklärbar – seine Freundschaft zu Alexander von Humboldt kam ihm dabei ebenfalls zu Hilfe. Neben seiner Tätigkeit als Komponist und Dirigent förderte Meyerbeer junge Nachwuchskünstler, darunter Tschaikowsky, Verdi und Wagner. Gerade Richard Wagner protegierte er nicht nur in Paris, sondern brachte dessen Werke auch gegen den Protest des Hohenzollernʼschen Hoftheaterintendanten auf die Bühne der heutigen Staatsoper Berlin. Sein Einfluss reicht bis in den „Parsival“ hinein.

Sabine Henze-Döhring und Sieghart Döhring zeichnen den Lebensweg dieses Superstars unter den Komponisten des 19. Jahrhunderts chronologisch nach; sie beleuchten seine Biographie von der Kindheit und Jugend in Berlin an über seine Ausbildung und die ersten kompositorischen Gehversuche mit den Lehrjahren in Italien bis hin zu seinem Aufstieg in Paris an der Grand Opéra und seiner Rückkehr nach Berlin. Wagners auf Meyerbeer gemünztem Aufsatz „Das Judentum in der Musik“ ist ein ausführliches Kapitel gewidmet. Auch die Auseinandersetzung Meyerbeers mit Mendelssohn-Bartholdy analysieren die Autoren.

Das Buch ist dank des klaren Schreibstils auch für Fachfremde gut lesbar. Neben Fakten zur Musikgeschichte flechten die Autoren viele Hintergrundinformationen zum Leben in Berlin und in Europa Mitte des 19. Jahrhunderts ein. Das Buch steht in der Tradition, den zu Unrecht vergessenen Komponisten wieder bekannter zu machen und auch wieder zu spielen. Denn dass Meyerbeer vom Spielplan verschwand, ist primär den antisemitischen Tendenzen seit der zweiten Hälfte des vorletzten Jahrhunderts geschuldet, für die Wagners Essay das prägnanteste und bekannteste Beispiel darstellt; aber auch die gewandelten Gattungsnormen der Oper haben dazu beigetragen, da Meyerbeer fälschlicherweise oft auf die Grand Opéra reduziert wird. Es gilt also nicht nur, den Großmeister dieser französischen Opernform wiederzuentdecken, sondern auch den Autor italienischer und deutscher Opern wie auch den preußischen Hofmusiker – Aspekte der Biographie Meyerbeers, die Henze-Döhring und Döhring gelungen thematisieren und zu einem stimmigen Gesamtbild verbinden.

Arkadi Junold
(www.arkadi-junold.de)

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