Kloiber/Konold/Maschka: Handbuch der Oper

Fundierter und handlicher Opernführer

Überarbeitete Neuausgabe, Bärenreiter/dtv, Kassel/München, 13. Auflage 2011 – www.baerenreiter.com

Handbuch der Oper

Foto: Bärenreiter-Verlag, Kassel

Das „Handbuch der Oper“ von Rudolf Kloiber, Wulf Konold und Robert Maschka, das inzwischen in der 13. aktualisierten Auflage erschienen ist, ist der mit Abstand übersichtlichste und zugleich inhaltsreichste Opernführer auf dem Markt. Er enthält nicht nur eine Vielzahl von Beschreibungen sehr bewusst auch unbekannterer Werke und Informationen zu ihrer Entstehung, sondern erläutert auch Besetzung und Orchesterbehandlung. Zusätzlich enthält er Hinweise zu Besetzungsvarianzen und zu den einzelnen Stimmgattungen, was es dem Leser ermöglicht, die konkrete Besetzung des jeweiligen Abends einzuschätzen. Gerade wegen seiner Übersichtlichkeit ist das Buch auch für Laien, die sich für das Musiktheater interessieren, unbedingt empfehlenswert.

Arkadi Junold
(www.arkadi-junold.de)

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Thomas de Padova: Das Weltgeheimnis. Kepler, Galilei und die Vermessung des Himmels

Wenn zwei Genies aneinander vorbeireden

Cover de Padova Weltgeheimnis

Foto: Piper Verlag, München

Piper Verlag, München, Berlin, Zürich, 6. Auflage 2015 – www.piper.de

Aus wissenschaftsgeschichtlicher Perspektive sind die knapp zwei Jahrhunderte zwischen der Entdeckung der Sonne als Mittelpunkt unseres Planetensystems durch Kopernikus und Newtons Nachweis des Gravitationsgesetzes ein Füllhorn: Der Astronomie ist es damals gelungen, den Blick ins Universum zu weiten und die Stellung der Erde und des Menschen im Ganzen völlig neu zu definieren. Erheblichen Anteil daran genießen zwei Zeitgenossen, der Florentiner Galileo Galilei (* 1564) und der Schwabe Johannes Kepler (* 1571), der die entscheidenden Jahre seines Schaffens in Prag verbrachte. Ihnen hat Thomas de Padova sein Buch „Das Weltgeheimnis“ gewidmet, das beider Leben und Werk darstellt und würdigt, ihren bislang wenig bekannten Briefwechsel auswertet und nebenbei ganz unaufdringlich das Panorama jenes komplexen Zeitalters aufspannt.

De Padova schildert Galilei als genialen Entdecker, der empirische Beobachtung und wissenschaftliche Theorie auf Engste miteinander verknüpft und darüber die Grenzen der Erkenntnis ständig ausgedehnt hat; als brillanter Redner wusste er sich zugleich geschickt zu inszenieren. Der vom Schicksal immer wieder gebeutelte Kepler erscheint dagegen als bescheidener, ja von Selbstzweifeln gequält, obwohl er in Jahren mühevoller Kleinarbeit eine gigantische wissenschaftliche Leistung erbracht hat: die Berechnung der elliptischen Planetenbahnen.

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Arnold Jacobshagen: Gioachino Rossini und seine Zeit

Gioachino Rossini im Spiegel seiner Epoche

Laaber-Verlag, Laaber 2015 – www.laaber-verlag.de

Cover_Rossini

Foto: Laaber-Verlag, Laaber

Jeder Band der instruktiven Reihe „Große Komponisten und ihre Zeit“ des Laaber-Verlags gibt zunächst einen kurzen Überblick über die wichtigsten biographischen Daten, um dann detailliert auf Leben und Werk des jeweiligen Künstlers einzugehen. Dabei werden, heute selbstverständlich, Aspekte der Musikgeschichte mit Aspekten der Musiksoziologie gemischt, da Werke immer Teil der Zeit sind, in denen sie geschrieben werden, und musikalische Veränderungen immer auch allgemeingesellschaftliche Trends spiegeln.

Der im Sommer 2015 erschienene Band „Gioachino Rossini und seine Zeit“ von Arnold Jacobshagen beschäftigt sich mit einem Komponisten, der zwar für seine komischen Opern italienischer Prägung, den sogenannten Opere buffe, bekannt geworden ist, dessen Œuvre aber wesentlich mehr zu bieten hat. So gilt Rossini als Erfinder der typisch französischen Grand Opéra, der wichtigsten französischen Operngattung des 19. Jahrhunderts, für die auch Verdi und Wagner geschrieben haben. Jacobshagen geht dieser Gattungsüberschneidung bei Rossini genauso nach wie der Frage, wieso sich Paris zu der europäischen Musikmetropole des 19. Jahrhunderts entwickeln konnte. Dass Rossini wie alle Komponisten dieser Zeit einen intensiven Bezug zu der Stadt hatte und von ihr stark beeinflusst wurde (zumal er dort auch begraben liegt), wird von Jacobshagen ausgeführt und belegt außerdem, wie unhaltbar der im 19. Jahrhundert aufgekommene Begriff der nationalen Schule musikalisch ist. Außer der Analyse einzelner Werke kommen dem Zuschnitt der Reihe gemäß die zeitgeschichtlichen Hintergründe deutlich und allgemein verständlich zum Tragen. So können dank eines wohltuend klaren Schreibstils Laien genauso wie Fachleute von der Darstellung profitieren.

Arkadi Junold
(www.arkadi-junold.de)

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Elias Canetti: Die gerettete Zunge

Von früher Wut und der Leidenschaft für Bücher – die Kindheits- und Jugenderinnerungen des Elias Canetti

Geschichte einer Jugend, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2011 – www.fischerverlage.de

Cover Canetti Die gerettete Zunge

Foto: Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main

Elias Canetti gehört mit seinen Lebensdaten zu den Menschen, die sämtliche Umbrüche und Katastrophen des 20. Jahrhunderts bewusst miterlebt haben: Als 1905 Geborener war er bereits alt genug, um den Ersten Weltkrieg als Tragödie wahrzunehmen, und bei seinem Tod 1994 als fast 90-Jähriger wusste er noch um den Mauerfall und das Ende des Kalten Krieges – ein Zeitzeuge des 20. Jahrhunderts par excellence also. Schon allein deswegen spiegelt seine dreiteilige Autobiographie, die seine Erinnerungen bis zum Tod der Mutter im Jahr 1937 bewahrt, über alles Individuelle hinaus immer wieder auch ihren zeitgeschichtlichen Hintergrund.

Im Mittelpunkt des ersten Bands „Die gerettete Zunge“ (dem später „Die Fackel im Ohr“ und „Das Augenspiel“ folgten) steht zunächst jedoch das wechselvolle Schicksal der jüdischen Kaufmannsfamilie mit einigen gründlichen Ortswechseln: Eliasʼ Geburtsort Ruse am bulgarischen Donauufer verlässt sie 1911 in Richtung Manchester, um dem tyrannischen Großvater väterlicherseits zu entfliehen. Nach dem plötzlichen und viel zu frühen Tod des geliebten Vaters siedelt die Mutter mit ihren drei Kindern 1913 zunächst nach Wien über, 1916, im Krieg, dann nach Zürich. Dort verbringt der Junge prägende und glückliche Jahre, in denen sich sein Interesse an der Literatur weiter festigt und verstärkt.

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Sabine Henze-Döhring/Sieghart Döhring: Giacomo Meyerbeer: Der Meister der Grand Opéra

Giacomo Meyerbeer – Hommage an ein fast vergessenes Genie

C.H.Beck, München 2014 – www.chbeck.de

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Foto: Verlag C.H.Beck, München

Giacomo Meyerbeer ist bezogen auf die Aufführungszahlen, aber auch seiner kompositionsgeschichtlichen Wirkung nach der wichtigste Opernkomponist des 19. Jahrhunderts. Sein künstlerischer Weg begann in Berlin, wo er zur Schule ging und studierte, und führte über Italien und Frankreich nach Berlin zurück. 1842 stieg er zum Hohenzollernʼschen Hofkomponisten und Generalmusikdirektor der königlichen Hofoper in Berlin auf; dass er im 19. Jahrhundert als Jude auf diese Position berufen wurde, ist nur durch sein herausragendes Renommee erklärbar – seine Freundschaft zu Alexander von Humboldt kam ihm dabei ebenfalls zu Hilfe. Neben seiner Tätigkeit als Komponist und Dirigent förderte Meyerbeer junge Nachwuchskünstler, darunter Tschaikowsky, Verdi und Wagner. Gerade Richard Wagner protegierte er nicht nur in Paris, sondern brachte dessen Werke auch gegen den Protest des Hohenzollernʼschen Hoftheaterintendanten auf die Bühne der heutigen Staatsoper Berlin. Sein Einfluss reicht bis in den „Parsival“ hinein.

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Bernhard Schlink: Das Wochenende

Behutsame Auseinandersetzung mit dem RAF-Terrorismus

Diogenes Verlag, Zürich 2008/2010 – www.diogenes.ch

Cover Schlink, Wochenende 72dpiDem Romanautor Bernhard Schlink gelingt es immer wieder, sich gesellschaftlichen Reizthemen auf eine sehr sensible Weise zu nähern. Nach seinem mehrfach preisgekrönten Werk „Der Vorleser“, einer Auseinandersetzung mit der deutschen NS-Vergangenheit im Spiegel einer tragischen Liebesgeschichte, legte er 2008 den Roman „Das Wochenende“ vor. Darin beschäftigt er sich mit dem Terrorismus der RAF, der Westdeutschland in den 60er- und 70er-Jahren erschüttert hat:

Der Terrorist Jörg, der wegen vierfachen Mordes 23 Jahre Haft verbüßt hat, wird vom Bundespräsidenten überraschend begnadigt. Seine ältere Schwester Christiane, die ihm seit dem Tod der Mutter diese stets zu ersetzen versucht hat, arrangiert zusammen mit ihrer Freundin Margarete in ihrem gemeinsamen Haus im Brandenburgischen ein Wochenende mit alten Freunden und einstigen Sympathisanten; sie möchte ihm den Start in die Zeit nach dem Gefängnis möglichst angenehm gestalten. Weiterlesen

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Sonja Bill: Tadschikistan

Instruktiver Leitfaden in eine abgelegene Welt

Trescher Verlag, 1. Auflage, Berlin 2010 – www.trescher-verlag.de

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In der tadschikischen Pamir-Region. Foto: textbaustelle Berlin

Normalerweise ist ein fünf Jahre alter Reiseführer nichts, was noch der Beachtung, geschweige denn einer Rezension wert wäre. In diesem Fall verhält es sich mit der Frage der Aktualität jedoch ein wenig anders. Denn die ehemalige Sowjetrepublik Tadschikistan im Herzen Asiens gehört – um es einmal vorsichtig auszudrücken – in der Regel nicht gerade zu den ersten Reisezielen, die sich Fernwehgeplagte aus der westlichen Welt zur Stillung ihrer Sehnsucht auswählen. Dabei hat das kleine Land, das seit dem Ende eines verheerenden Bürgerkriegs in den 90er-Jahren politisch halbwegs stabil ist (und das trotz seiner Nachbarschaft zum Dauerkrisenherd Afghanistan), Reisenden üppigen Reichtum zu bieten: ebenso herbe wie faszinierende Hochgebirgslandschaften, eine von persischen, mongolischen, türkischen, russischen und fernöstlichen Einflüssen geprägte Kultur, eine propere Hauptstadt sowie eine geradezu frappierende Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Menschen. Weiterlesen

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Stephan Bierling: Vormacht wider Willen

Deutsche Außenpolitik zwischen Zaghaftigkeit und globaler Verantwortung

C.H.Beck, München 2014 – www.chbeck.de

Cover Bierling

Foto: Verlag C.H.Beck, München

Wann wird die Politik von heute eigentlich zu dem, was wir als „Geschichte“ bezeichnen? Kann erst die nächste Generation die Geschichte der augenblicklichen Gegenwart schreiben, weil erst sie die vergangene Epoche als Ganze überblicken kann? Oder kann der heutige Tag bereits morgen Gegenstand der Geschichtsschreibung sein? Das ist eine spannende und sicher auch diskutierbare Frage, die sich dem Leser von Stephan Bierlings Buch „Vormacht wider Willen. Deutsche Außenpolitik von der Wiedervereinigung bis zur Gegenwart“ gelegentlich stellen mag. Denn der Regensburger Politologe unternimmt hier einen ausgesprochen anregenden Versuch, auf einem sehr heiklen Gebiet deutscher Politik die Grenzen von Geschichtsschreibung, Gegenwartsanalyse und Journalismus zu überschreiten.

Bierling holt den Leser an einem Punkt ab, den man mittlerweile zweifelsfrei als „Geschichte“ wird bezeichnen können, Mauerfall und Wiedervereinigung, und entfaltet von da aus die außenpolitischen Problemlagen, Entwicklungen und Entscheidungen samt den charakteristischen Schwerpunkten der deutschen Regierungen seither. Er gliedert seine Darstellung nach den Kanzlerschaften von Helmut Kohl, Gerhard Schröder und Angela Merkel in drei Hauptkapitel plus Einleitung und Schluss und gestaltet innerhalb der großen Abschnitte einzelne Themenblöcke. Weiterlesen

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John Bossy: Agent der Königin

Der Philosoph als Spion? Giordano Bruno und der englische Geheimdienst

Klett-Cotta, Stuttgart 1995 – www.klett-cotta.de

Originalausgabe: Giordano Bruno and the Embassy Affair, Yale University Press, New Haven/London 1991

Cover Bossy

Repro: Klett-Cotta Verlag, Stuttgart

Das Schicksal Giordano Brunos bewegt bis heute. Der Dominikanermönch aus Nola bei Neapel entfloh seinerzeit seinem Orden, weil ihm wegen kritischer Haltungen in Fragen der kirchlichen Lehre ein Prozess bevorstand, und begab sich auf eine Irrfahrt durch halb Europa, die erst mit seiner Gefangennahme in Venedig 1592 enden sollte. In diesen sechzehn Jahren des unsteten Lebens verfasste Giordano Bruno eine Reihe von Schriften, die ihn als einen der außergewöhnlichsten Denker in der europäischen Geistesgeschichte zeigen, aber auch in einen unversöhnlichen Gegensatz zur römischen Kirche brachten. Denn Bruno verteidigte nicht nur das damals revolutionäre Weltbild des Nikolaus Kopernikus, wonach sich die Erde um die Sonne dreht und nicht umgekehrt, sondern ging sogar noch deutlich darüber hinaus: Das Weltall galt ihm als unendlicher Raum, in dem eine unendliche Zahl an Welten wie die unsere mit unendlichen Möglichkeiten an Lebensformen in einem ständigen Prozess der Veränderung begriffen ist. Aus diesem Denkmodell folgten etliche Lehrsätze, die sich kaum noch mit einem christlichen Weltbild vereinbaren ließen; insbesondere für einen universalen Erlöser, der am Kreuz stirbt, war darin kein Raum. Nach einem Inquisitionsverfahren, das sich über zermürbende acht Jahre hingezogen hatte, verbrannte die Kirche den Unbequemen im Februar 1600 in Rom wegen Ketzerei.

Angesichts dieser durchaus bekannten Geschichte war das 1991 erschienene Buch „Giordano Bruno and the Embassy Affair“ des englischen Historikers John Bossy eine gewaltige Überraschung und erregte im angelsächsischen Raum einiges Aufsehen.  Weiterlesen

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